Mausbacher Kirchenschatz

Kirchengerät und Heiligtümer in Abbildung und Ansprache

Bestandsaufnahme

Die Aufnahme der folgend abgebildeten Heiligtümer und Kirchengeräts im Mausbacher Kirchenschatz erfolgte am 24. Mai 2023 im Pfarrheim St. Markus Mausbach.

Eine Auswertung des Pfarrarchivs, sodass darauf zugegriffen werden konnte, ist zu dieser Zeit noch nicht erfolgt gewesen. Alter und Materialbeschaffenheit des Kirchengeräts sind insbesondere durch Inaugenscheinnahme zuletzt am 3. Juli 2023 und aus der Formensprache erschlossen worden.

An den Messkelchen waren Punzen für Silber ausgebracht. Im Übrigen ist das Metall nur teilweise probiert und die Bestimmung ansonsten nach Farbe, Patina und Gewicht erfolgt. Steine und Perlen sind in ihren Fassungen und in der Theca zudem hinter Glas besichtigt worden.

Die Kapseln mit den Reliquien sind soweit ersichtlich verplombt. Es wird unterstellt, dass die "Zettelchen" korrekt sind. Insoweit wird Alter und Echtheit der Reliquien aus der Literatur heraus bewertet. Nach textilkundlichen Untersuchungen sind die Herrenreliquien aus dem Aachener Schatz frühestens aus dem 5. Jh.1 Markus ist ein von der Kirche dem ursprünglich nicht genannten Evangelisten gegebener Name. Insofern bereits erscheint die Zuordnung der Reliquie fraglich.

Die Gliederung der Ansprache richtet sich nach dem erschlossenen Alter der Gegenstände:

Spätgotisches Ostensorium mit sechs Reliquien
Spätgotisches Marienbildnis mit Salvator mundi
Barocker Messkelch
Neugotische Retabelmonstranz
Historistische Messkelche
Arnoldsreliquiar

Spätgotisches Ostensorium mit sechs Reliquien

Turmmonstranz, drei Sichtseiten mit je einer Ädikula und zwei Fialen, aus verschiedenen Teilen unbekannter Provenienz 14./15. Jh., Anfang des 19. Jh.s mit sechs Reliquien in drei Thecae ausgestattet.

Vermeil
Höhe: 37 cm, Ø Fuß: 13,8 cm

Ziseliertes Dach mit Globus cruciger (Kleeblattkreuz) bekrönt, Fialen mit Kreuzblumen, Ädikulä mit Lilien. Schaubereich auf Flachkuppel von einem Zinnen- und einem gestürztem Lilienfries umgrenzt. In Ädikulä ovale Thecae, Silber/Glas, je mit umlaufend gekordeltem Band und von drei in die Ädikula punzierten Lilien (1:2) begleitet, innen mit Spiralband abgegrenzt. Reliquien auf Papierrauten in rotem Feld, Cedulae in Antiqua. Schaft mit linsenförmigen Ansätzen und Fuß rund, neu verschraubt. Nodus linsenförmig, mittig punziert, oben Band. Am Fuß oben Lilienfries wiederholt.

Theca I (Hauptsichtseite): Mit Golddraht begrenzter, changierender Goldgrund, axial vier Amethyste, Altschliff mit ersichtlich Tafel und sechs Facetten, mittig Bergkristall in Perlenform geschliffen und durchbohrt von Goldstift mit außen zwei Ösen. Vier Reliquien auf Papier mit Goldfiligran abgegrenzt auf roten Rauten, von oben links im Uhrzeigersinn:

  • Partikel, braun; Cedula: Ex cunis D. [Domini] N. [Nostri] "von der Wiege u. [unseres] H. [Herrn]"
  • Fasern, gelb; Cedula: Ex Pannis D.N. "von den Windeln u.H."
  • Partikel braun; Cedula: Ex Praec[epis] D.N. "von der Krippe u.H."
  • Fasern, rot; Cedula: Ex Fascia D.N. "vom Wickelband u.H."

Theca II (1. Nebensichtseite): Mit eingelegtem, weitläufigem Silber-Spiraldraht abgegrenztes rotes Feld. Reliquie: Partikel, grau; Cedula: s. [sancti] Marci Evang. [Evangelista] "vom heiligen Markus Evangelist", Patron der Pfarrkirche in Mausbach (1804 benediziert, 1805 Pfarrkirche).

Theca III (2. Nebensichtseite): Mit eingelegtem, weitläufigem Silber-Spiraldraht abgegrenztes rotes Feld. Reliquie: Partikel, grau; Cedula: s. [sancti] Antonii Pat. [Patavinus] C. [Confessor] "vom heiligen Antonius von Padua, Bekenner des Christentums".

Die Monstranz ist ein Geschenk des ersten Aachener Bischofs, Marc-Antoine Berdolet (1740-1809, Bischof 1802-1809), nach 1804 an die 1805 erhobene Pfarre Mausbach gewesen. Die Herrenreliquien sind aus dem Aachener Schatz, die beiden übrigen von den Namenspatronen des Bischofs.

Literatur:

  • Katalog der ersten Dekanatsausstellung kirchlicher und bürgerlicher Kunstgegenstände zu Eschweiler [...] Vorrede von Canonicus Dr. [Franz] Bock. Eschweiler: Peter Herzog, 1870.
  • Schatzkammer des Aachner Heiligthums, oder kurze Beschreibung der hh. Reliquien [...]. Aachen: Theodor Blieckx, 1818.

Spätgotisches Marienbildnis

Schnitzarbeit des 15./16. Jh.s.

Holz, braunschwarz-rötlich1,
Breite: 2 cm, Höhe: 8 cm, Tiefe: 1,4 cm.

Auf rechteckiger Konsole mit vier rechteckigen Rotuli stehende, gekrönte Maria mit offenem, langem Haar und in langem, die Füße bedeckenden Gewand. In der rechten Hand Zepter, im linken Arm das Jesuskind als Salvator mundi.

Nach dem Katalog der Dekanatsausstellung 1870 in Eschweiler "ein Gegenstück" zu einem Marienbildnis in der Abtei Rolduc (Niederlande, dt. Klosterrath).2

Die "Echtheit", d.h. die Übereinstimmung dieses Mausbacher Marienbildnisses mit dem ursprünglich in Aldenhoven bewahrten und dort aufgefundenen Gnadenbild (zur Geschichte vgl. S. 1) wurde letztmalig auf Veranlassung des Kölner Domherren Heuser "fast unzweifelhaft" festgestellt und dem damaligen Mausbacher Pfarrverwalter Müller mit Schreiben vom 22. Januar 1884 (Tag des hl. Vinzenz, dem katholischen Glauben nach Helfer beim Auffinden abhandengekommener Sachen) durch Dechant Spinnrath mitgeteilt.3

Literatur:

  • Katalog der ersten Dekanatsausstellung kirchlicher und bürgerlicher Kunstgegenstände zu Eschweiler [...] Vorrede von Canonicus Dr. [Franz] Bock. Eschweiler: Peter Herzog, 1870.
  • Arnold Ortmanns: Die Geschichte der Pfarre Mausbach. 2. Aufl. des Nachdr.s der Ausg. Allerheiligen 1930 in der Stolberger Zeitungs- u. Akzidenz-Druckerei B. Linzen. Stolberg (Rhld.) 2002.

Barocker Messkelch

Vermeil,
Höhe: 22,8 cm, Ø Kuppa: 11 cm, Ø Fuß: 15,3 cm.

Kuppa becherförmig, Nodus abgeflacht rund, Fuß rund. Schaft, Nodus und Fuß in bald fließendem Übergang. Vom Fuß bis zur Mitte der Kuppa und in eher minderer Kunstfertigkeit verziert, Dekor Guss/ziseliert. Kuppa mit Arabesken (Akanthus). Nodus mit Kartuschen, schlichte Fleuren umkränzte Medaillons. Im hoch abgestuften, oben mit Perlschnur belegtem, in einer niedrigen Platte endendem Fuß in der konkaven Wölbung in Abwechslung mit hochgezogenem Blattwerk drei Medaillons: byzantinisches Kreuz, Lebensbaum und Weinrebe. Darunter Wellenfries mit eingeschlossenen vierblättrigen Blüten und an Plätzen des Blattwerks drei Rocaille ähnliche Kartuschen. Zum Abschluss auf die Bodenplatte einfacher Bogenfries.

Unterboden mittig erneuert, am original erhaltenen Rand eingekratzte Inschrift in Antiqua: A·K·W · M · W·M · 1770 [vermutl. Meistermarke, Herstellungsort und Herstellungsjahr].

Die Herkunft des Kelchs ist ungeklärt. Auf der Dekanatsausstellung 1870 in Eschweiler scheint er nicht gezeigt worden zu sein.1 Er erscheint indes neben einem anderen, heute nicht vorhandenen, barock wirkendem Kelch auf einem Foto der Mausbacher Pfarrausstellung von 1955.2

Neugotische Retabelmonstranz

Turmmonstranz mit zahlreichen Fialen, fünf Figuren.

Messing vergoldet, Figuren Silber, Lunula (nicht abgebildet) Gold ca. 585 ‰,
Höhe: 73,5 cm, Ø Schaubereich: 14 cm, Fuß: max. 26 cm/19,8 cm.

Turm mit armenischem Kreuz bekrönt, Fialen mit Kreuzblumen, Turmdach ziseliert. Zylindrischer Schrein, oben gekordeltes Band, oben und unten mit silberweißen Schmuckperlen und mit grünen Glassteinen in Altschliff, bekrönt mit Blätterkrone und daraus wachsendem, ziseliertem Baldachin. Im Gesprenge in Ädikula auf Konsole in kleinerer Blätterkrone Figur der Maria regina mit dem Salvator mundi (vgl. o. Gnadenbild). In den Flügeln Ädikulä, in diesen auf Konsolen, die aus Altarschranke oder angedeutetem Lettner hervorgehen, von der Figur der Maria aus rechts Figur des Petrus Ap., links Figur des Paulus Ap., jeweils mit Attributen. Apostelfiguren außen begleitet von Engeln unter Spitzbögen mit Kreuzblumen. Schaft, Nodus und Fuß sechspassig, Schaft und Nodus ziseliert. Nodus mit sechs Rotuli, jeweils an der Kopfseite ein Buchstabe ziseliert in Rotunda, insgesamt: IHESUS. Schaftabschluss Blattwerk mit sechs türkisfarbenen Fayencen ohne Matrixzeichnung, unten gekordeltes Band, abgestuft Laubfries.

Unterboden mit Gravur: † In honor. S.S. Sacramenti D.D. Joh. Jacobus Rössler et Mathias Berg cum filio Egidio 1873 "Zu Ehren des allerheiligsten Sakraments [geweihte Hostie] gestiftet von Joh[ann] Jakob Rößler und Mathias Berg mit Sohn Ägidius 1873", und Punze: R. [Reinhold] Vasters Aachen.

Jakob Rößler war bis 1884 Kirchenvorstand in Mausbach. Reinhold Vasters (1827-1909) war in Aachen Goldschmied und Kunstfälscher. Vasters arbeitete eng mit dem Kanoniker und Kunsthistoriker Franz Bock (1823-1899) zusammen. Bock war auch an der Dekanatsausstellung 1870 in Eschweiler, wo das spätgotische Mausbacher Reliquiar von Bischof Berdolet (s.o.) gezeigt wurde, beteiligt.

Literatur:

  • Arnold Ortmanns: Die Geschichte der Pfarre Mausbach. 2. Aufl. des Nachdr.s der Ausg. Allerheiligen 1930 in der Stolberger Zeitungs- u. Akzidenz-Druckerei B. Linzen. Stolberg (Rhld.) 2002.

Historistische Messkelche

In Mausbach verbliebene Messkelche1, jeweils ohne Patene:

1) Heinrich Korsten, Pfarrer in Mausbach 1887-1914:

Neugotisch, Silber 800 ‰,
Höhe: 21 cm, Ø Kuppa: 11,4 cm, Ø Fuß: 16,7 cm.

Kuppa vertieft, in Blätterkrone auf gekordeltem Band eingelassen. Schaft, Nodus und Fuß in Sechspass. Nodus in Durchbrucharbeit, sechs Rotuli mit verschiedenen Farbsteinen, Cabochon. Im Fuß Medaillons: Kreuzgruppe, Petrus Ap., Barbara (Patronin in Krewinkel), hl. Familie, Nikolaus (erster Patron von Mausbach), Markus Evang.

Unterboden mit Gravur in Kurrentschrift: Benigni parochiani dono dederunt parachiali ecclesiae in honorem S. Marci Mausbach 1897 "Von freundlichen Gemeindemitgliedern zum Geschenk gegeben zu Ehren der Pfarrkirche St. Markus Mausbach 1897" und Punze: C.A. Bäumers / 800 / Düsseldorf.

2) Clemens Wittrock, Pfarrer in Mausbach 1974:

Neuklassizistisch, Silber 925 ‰,
Höhe: 19,8 cm, Ø Kuppa: 12 cm, Ø Fuß: 14,4 cm.

Kuppa halbkugelig, innen vergoldet. Schlanker, runder Schaft. Hoch angesetzter Nodus mit acht Rotuli, vier quadratisch mit je in blauem Email eingelegtem Prankenkreuz, vier ovale mit Cabochons. Fuß rund, niedrig konvex, eingraviertes lateinisches Kreuz.
Unterboden gepunzt: A.WitteBildmarke [2 gekreuzte Schlüssel bekrönt mit Tiara] – Aachen / Reichsstempel 925 [Reichstempelung nach dem Feingehaltsgesetz 1888 mit Halbmond und Kaiserkrone für Silber, 1964 im Warengesetz aufgelöst, bis 1976 gebräuchlich].

3) Kurt Laugs, Subsidiar in Mausbach 1993-2009/10:

Neukarolingisch, ca. 1950/60er Jahre, Silber 835 ‰,
Höhe: 19,3 cm, Ø Kuppa: 12,3 cm, Ø Fuß 12,8 cm.

Eiförmige Kuppa unmittelbar auf Nodus, dieser rund und kürbisförmig achtgeteilt, darunter ohne Schaft hoher, runder Fuß mit ziselierter Kontur des byzantinischen Kreuzes.
Unterboden gepunzt: Mohnen [Ludwig Mohnen, 1910-1976, Goldschmied in Stolberg/Rhld.], außen gestempelt (undeutlich): 835.

Arnoldsreliquiar

Scheibenmonstranz aus der 1. Hälfte des 20. Jh.s mit einer Körperreliquie des hl. Arnold von Arnoldsweiler.

Vermeil/Messing vergoldet
Höhe: 30 cm, Breite: Vierpass 15 cm, Theca 8,5 cm, Ø Fuß: 8 cm.

Rundes, mit acht türkisfarbenen Fayencen ohne Matrixzeichnung besetztes Schaugefäß inmitten einer Durchbrucharbeit mit unspezifischem Blumenrankenwerk in Vierpassrahmen mit Spitzen zwischen den Bögen (Rose). Rahmen bekrönt mit byzantinischem Kreuz, in dessen Balkenenden vertieft nach innen gerichtete Lebensbäume.

Theca oval, Silber, mit violettem Samt ausgelegt, enthält Knochenfragment. Cedula in Schlichter Gotisch: Rel. [Reliquiae] Sti. [Sancti] Arnoldi Conf. [Confessor] "Reliquie des heiligen Arnold [von Arnoldsweiler] Bekenner des Christentums". Schaft und Nodus rund, Nodus abgeflacht mit in vier Rotuli gefassten violetten Steinen, Einschlüsse schlierig, vermutl. Glas, Cabochon. Schaftabschluss mit Schnürband am runden Fuß.

Das vierpassförmige Reliquiar mit rechteckig aufgesetzter Theca, in summa stilisierte vierblättrige Rose (in der Heraldik im Gegensatz zur christlichen Ikonographie ganz überwiegend mit fünf eingewellten Blütenblättern), war im rheinisch-maasländischen Raum des 12. Jh.s verbreitet und meist zum Aufhängen bestimmt. In der hier abgebildeten Anfertigung aus dem 20. Jh. erscheint dies nachempfunden.

Das Reliquiar ist vor 1986 nach Mausbach gekommen.1 Auf einem Foto der anlässlich der Pfarrausstellung 1955 in Mausbach gezeigten Heiligtümer erscheint es nicht.2 Pastor Norbert Bolz, Mausbach, vermutet indes die Reliquie als ein Geschenk an Arnold Ortmanns (1860-1938, Pfarrer in Mausbach 1914-38) zu dessen Goldenem Priesterjubiläum im Jahr 1937.3

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