Gressenich – 5 Dörfer

Auf dem Zeitpfeil vom Mesolithikum bis gestern

Der Aufsatz liefert eine Typonomie zu den fünf Dörfern der ehemaligen Gemeinde Gressenich und mit einer Zeittafel vom Mesolithikum bis zum 31. Dezember 1971 eine chronologische Einführung in die Ereignisgeschichte und schließlich die Blasonierung des Gemeindewappens.

Text: Haro von Laufenberg (erstmals erschienen 2021 in: Auf dem Zeitpfeil von der Römerzeit bis gestern, S. 5-18)
Zeichnungen: Heinz Peters, Wolfgang Pagenstecher.

Ortskunde

Gressenich

Toponymisch abgeleitet von lateinisch Gratiniacum (Grassiniacum, Crasciniacum), "Gut des Gratius". Um wen es sich bei diesem Gratius ("der Dankende") gehandelt hat, ist unbekannt.

Ersterwähnung in einer Dotationsurkunde von 842 zugunsten des Klosters Inda (Kornelimünster) als villa Crasciniacum, ein fränkischer Königshof, der sich räumlich weit über die heutige Ortschaft Gressenich erstreckte (vgl. heutige Gemarkung Gressenich). Zweifellos gehört Gressenich zu den ältesten Ortschaften im Aachener Raum. So ist der Grundriss des historischen Kerns im Bereich Römerstraße/Rottstraße typisch römisch.

Lage am Omerbach, 213 m ü. NHN

Koordinaten 50° 46′ 22″ N, 6° 18′ 1″ O

Einwohner 2.420 (Stand 2017)

Postleitzahl 52224, Vorwahl 02409

Mausbach

Toponymie nach dem gleichnamigen Gewässer in Mausbach, das vermutlich eine Abgabegrenze der Abtei Kornelimünster zur jülischen Fleuth gewesen ist (von "Maut").

Ersterwähnung in einer Dotationsurkunde von 1178 zugunsten des St.-Nikolaus-Hospitals in Kornelimünster (so auch der Stolberger Stadtteil Dorff). Im Zusammenhang mit der Stiftung werden ein Ritter Emmo, ein Bertoldus und ein Everard mit dem Bart aus Mausbach sowie ein Hermann von Krewinkel genannt.

Lage am Mausbach, 294 m ü. NHN

Koordinaten 50° 45′ 28″ N, 6° 16′ 40″ O

Einwohner 4.594 (Stand 2017)

Postleitzahl 52224, Vorwahl 02404

Schevenhütte

Toponymie nach einem Eisenhüttenbetreiber (Reitmeister) Wilhelm Scheiffen. Auch der Schevenhütter Ortsteil Joaswerk ist nach einem Reitmeister, dem Jan Johaes, benannt.

Ersterwähnung der offenbar länger bestehenden Hütte 1525 in einem Auftrag des Herzogs von Jülich an den Eisengießer Kirstgen (Christian) Johaes auf der scheyven hutte, wohl Pächter daselbst, zum Gießen von Kanonenkugeln.

Lage am Wehebach, 189 m ü. NHN

Koordinaten 50° 46′ 10″ N, 6° 19′ 31″ O

Einwohner 688 (Stand 2017)

Postleitzahl 52224, Vorwahl 02409

Vicht

Toponymisch ungeklärt, naheliegend jedoch Herleitung vom örtlichen Fließgewässer Vicht (Vichtbach), wobei das Wort "Vicht" vermutlich aus keltischer oder gallorömischer Zeit ist, eventuell im Sinne von vitalis "lebendig".

Ersterwähnung 1455 im Monschauer Waldrecht in einem Nachtrag mit Bezug auf das Jahr 1421. Die vielfach als erste genannte Erwähnung 1322 bezieht sich allein auf den Vichtbach.

Lage am Vichtbach, 218 m ü. NHN

Koordinaten 50° 44′ 37″ N, 6° 15′ 57″ O

Einwohner 1.867 (Stand 2017)

Postleitzahl 52224, Vorwahl 02402

Werth

Toponymie und Ersterwähnung vermutlich nach der im 14./15. Jh. im Waldrecht der Wehrmeisterei genannten Stelle "van der mysbach yn heren Wynrichs stertt" also eines Herrn Weinrichs Besitz, abgeschliffen zu "Werth". Zum Dorf entwickelte sich Werth erst im ausgehenden 19. Jh. infolge der Kohlelieferungen aus Eschweiler für die Erzgruben in Diepenlinchen.

Lage am Kaltenbornbach, 240 m ü. NHN

Koordinaten 50° 46′ 50″ N, 6° 16′ 56″ O

Einwohner 1.048 (Stand 2017)

Postleitzahl 52224, Vorwahl 02409

Enklave St. Laurentius

Die 1308 im Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe erwähnte Gressenicher St.-Laurentius-Kirche wurde im zweiten Viertel des 15. Jh.s durch eine Hallenkirche von ca. 24 x 13 m ersetzt. 1806 erhielt diese einen neuen Turm, nachdem der alte um 1800 eingefallen war.

Das Recht, den Pfarrer vorzuschlagen und Abgaben zu erheben (Kollations- und Zehntrecht), besaß ursprünglich das Kölner Domkapitel. 1569 kaufte die Abtei Kornelimünster dem Domkapitel dieses Recht ab. Daher und auch da die mittelalterlichen Laurentius-Patrozinien im Allgemeinen weit, teils bis in die Spätantike zurückgehen, dürfte die Kirche von der Verschenkung Gressenichs an das Kloster Inda ausgenommen gewesen sein.

Als Gressenich im Zweiten Weltkrieg 1944 aufgrund des sinnlosen und umso hartnäckigeren Widerstands der deutschen Wehrmacht gegen die vorrückende US-Army in der Kampflinie lag, wurde die spätgotische Laurentiuskirche zerstört. Nur Teile des Flügelaltars von 1490 sowie das vom Niederrhein stammende, eichenhölzerne Gnadenbild der Anna Selbdritt aus dem 15. Jh. konnten gesichert werden. Mit dem Schutt des Kirchenbaus wurden nach 1945 die Wehrweiher von Gut Köttenich verfüllt.

Gressenich Kirche, Zeichnung: Heinz Peters

St. Laurentius vor 1944, nach einer Postkarte

Tuschezeichnung von Heinz Peters

Ereignisgeschichte

Die fünf Dörfer Gressenich, Mausbach mit Krewinkel und Fleuth, Schevenhütte, Werth und Vicht mit der Exklave Bernhardshammer bildeten von 1815 bis 1971 mit Unterbrechung von 1845 bis 1850 die Gemeinde Gressenich, mit einer Fläche von 41,12 km2 die solcherweise größte Gemeinde des von 1816 bis 1971 bestehenden Landkreises Aachen. Mit der kommunalen Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen wurde sie am 1. Januar 1972 von der Stadt Stolberg eingemeindet. Vor Gründung des Rur-Departements 1797 durch die Franzosen, die bereits 1794 und dann bis 1814 das Linksrheinische kontrollierten, waren Gressenich bis zum Omerbach, halb Krewinkel, Mausbach ohne Fleuth sowie Teile von Werth der Reichsabtei Kornelimünster, mithin zum "Münsterländchen" gehörig. Die übrigen Ortschaften fielen der Herrschaft der Grafen, späteren Markgrafen und Herzöge von Jülich anheim. Das Herzogtum ging nach 1742 in der Kurpfalz auf, und diese wurde 1777 mit der Kur Bayern vereinigt. Wirtschaftlich geprägt waren Gressenich und Mausbach von Erzbergbau und Landwirtschaft, Schevenhütte und Vicht vom Hüttenwesen und alle mit wenig Wohlhabenden und viel armem Volk, ab dem 19. Jh. vielfach Industriearbeiter. Werth hat sich erst im 19. Jh. aus einem Rastplatz für Kohlenfuhren zur Erzgrube Diepenlinchen als Ort entwickelt. Die rund 1000jährige Herrschaft der katholischen Kirche hat die Kultur im Münsterländchen so nachhaltig bestimmt, dass man noch zeitgeschichtlich geneigt gewesen ist, von abteifrommen Menschen dort zu sprechen. Das Herzogtum war indes relativ reformationsfreudig. Bereits im 16. Jh. hatten sich in Vicht Nachbarn protestantischer Konfession eingefunden, während dies in Gressenich und Mausbach im Grunde erst nach 1945 und nicht reibungslos angezeigt gewesen war. Obgleich gerade im Münsterländchen die Kirche institutionell fest verankert ist und die Volksbräuche besonders eng mit frömmigem Kirchenkult verwoben sind, spielt der Karneval auch dort eine große Rolle. Trotz der seit 743 wiederholten kirchlichen Verbote und Verächtlichungen fuhren in historischer Zeit zur Fastnacht Schiffe auf Rädern, in Umkehr der Verhältnisse über Land und wurden von saturnalischen, aus Sicht der Kirche "säuischen" Exzessen, gleichermaßen vorchristliche Fruchtbarkeitsriten, begleitet. Erst dem Bürgertum des 19. Jh.s ist es gelungen, den Karneval zu domestizieren. Was noch an Relikten blieb, wie die "ungeordneten" Mausbacher Dienstagszüge, sollte in der Nazi-Zeit beseitigt werden. Die Domestizierung hat schließlich auch hierzulande in den "geordneten" Karneval mit uniformierten Karnevalisten geführt.

Ca. Mesolithikum Besiedlung bei Büsbach, Stein-Schlagplatz bei Schevenhütte. 1. Jtsd. v. Chr. Erzbergbau, zwischen Mausbach und Gressenich kreuzen zwei Handelswege. 523 ± 30 v. Chr. Ringwallanlage bei Schevenhütte.

Der Sage nach erstreckt sich eine riesige Stadt Gression von Mausbach bis wenigstens über Eschweiler hinaus. Historischer Kern der Sage ist wohl ein römischer Verwaltungsbezirk, in dem Gressenich lag. Dort Kreuzung von zwei Römerstraßen, vermutlich mit Mutation, am Schieverling römische Bergwerksstelle, an der im 19. Jh. noch Schlacken abgebaut werden, in Vicht Fund eines römischen Münzschatzes und Spuren von Bergbau und landwirtschaftlicher Betriebe (villa rusticae). 66-79 römische Gräber im Weihenest in Gressenich. 1. Jh. v. Chr. bis 337 römischer Begräbnisplatz zwischen Mausbach und Gressenich. 238 wird vermutlich in Gressenich ein von Masius und Titianus, Freigelassene oder Söhne eines Januarius, gestifteter Votivstein mit Hilfe eines Macer Acceptus aufgestellt.

Im Gressenicher Raum Siedlungskontinuität, das Montanwesen kommt zum Erliegen. Der Rheinübergang von 406 zeichnet den Untergang des Römischen Reichs ab. 451 ziehen die Hunnen von Köln aus durch den Großraum Aachen nach Tournai. 454 bricht die römische Ordnung mit Ermordung des Heermeisters Flavius Aëtius zusammen. 476 Abdankung des weströmischen Kaisers, Franken füllen das Machtvakuum, 496 tritt der Frankenkönig Chlodwig zum Christentum über.

842 überträgt Ludwig der Deutsche dem um 814 gegründeten Kloster Inda (Monasterium Salvatoris ad Indam "Erlöserkloster an der Inde", kurz "Inda", Tuchreliquien) für dessen Vasallentreue im fränkischen Erbfolgestreit den Königshof Gressenich. Rund zwei Monate später wird die Schenkung von Ludwigs Bruder Lothar kassiert. 877 verschenkt König Ludwig III. den Königshof Gressenich an das Kloster Inda. Besonders wertvoll sind der Wald, der sich bis zum heutigen Zweifall erstreckt, und Rechte an Erzvorkommen. Ob die Schenkung die angeblich 875 an das Kloster Inda im Reliquientausch mit dem nordfranzösischen Kloster Compiègne gekommenen Teile von Schädeldecke und Arm des hl. Kornelius im Machtbereich des Ostfränkischen Reichs sichern sollte, ist fraglich. Diese Reliquien könnten erst im Spätmittelalter nach Kornelimünster gelangt sein. 881 verwüsten Normannen u.a. das Kloster Inda. Die zweite Ringwallanlage in Schevenhütte dürfte zu den Befestigungswerken gehören, die zu dieser Zeit genutzt oder errichtet werden (vgl. Heimbach) auch gegen die folgenden Ungarneinfälle. 949 bestätigt König Otto die Schenkungen an das Kloster Inda und erhebt dasselbe zur Reichsabtei.

Im 11. Jh. stellt sich die Abtei unter das Kornelius-Patrozinium, aus "Inda" wird "Kornelimünster". 1063 wird die Abtei kirchlich dem Erzbischof von Köln unterstellt. 1075 fällt der Ort Gressenich an die Abtei Siegburg.

Im 13. Jh. nimmt der Bergbau wieder Fahrt auf. 1212 führt der "Kinderkreuzzug" (tatsächlich untere soziale Schichten) über Aachen. 1229 fällt der Ort Gressenich zurück an die Abtei Kornelimünster. 1230 erzwingt der Graf von Jülich der Abtei den Verzicht auf Forstrechte ab. 1234 erhält der Graf von Jülich die Vogtei über Gressenich (die Kirche ist nicht rechtsfähig, bedarf daher zum Handeln eines Vogts). Die Jülicher versuchen aus der Vogtei sukzessive Rechte an sich zu ziehen, die Gressenicher Schöffen können jedoch immer wieder betonen, Gressenich sei Korneliusgemeinde.

1315 Teuerung und Pest, in Aachen Beginen und Begarden (Beziehung: Alexianer). 1349-50 beherrscht der "Schwarze Tod" (Pest-Pandemie) das Land, Geißler (Flagellanten) und Judenpogrome, 1349 erste Heiligtumsfahrt nach Aachen (Tuchreliquien). 1359 geht die Heiligtumsfahrt nach Kornelimünster in den biblischen Rhythmus von sieben Jahren über. 1382 Erdbeben, Pest. 1391-97 Pest.

1401, 1428 Pest. 1435 fällt Vicht durch Erbfall am Montjoier (Monschauer) Land an Jülich.

Um 1520 reger Bergbau auf Eisen, Blei, Galmei und Kupfer im Gressenicher Raum. Ab 1542 dort Packenberechtigung für einzelne, selbstständige Bergleute, die Gruben im Durchmesser von 16-18 m um einen eingeschlagenen Pfahl (daher auch: Pfahlberechtigung) mit einem Reifenschacht, ein mit Reifen aus geflochtenem Reisig ausgebauter Tagesschacht, abteufen. Dieser besonders gefährliche und bis 1829 betriebene Bergbau hinterlässt eine wie ein Schweizer Käse durchlöcherte Landschaft. 1521 in der Türkengefahr wird die Reichstürkenhilfe von den Reichsständen erhoben und auf die Bevölkerung umgelegt. 1525 Eisenhütte in Schevenhütte.

1531 regelt der "Jülicher Vertrag" die Rechte der Nachbarn in Gressenich, Mausbach und Krewinkel, der Abtei Kornelimünster und des Herzogs von Jülich am Gressenicher Wald und grenzt die Hoheitsgebiete von Abtei und Herzogtum ab. Die Vereinbarung hat bis 1794/1797 Bestand. Gewinner sind die Fürsten: Die Nachbarn haben das Recht der Viehtrift und Eckermast, dürfen Brennholz klauben, schulden dem Abt jedoch weiterhin den Schweinezins und treten die werthaltigsten Holzrechte an den Herzog ab. Gressenich bis zum Omerbach und Mausbach ohne Fleuth bleiben beim Münsterländchen, Krewinkel wird über die Straße zwischen den Fürsten geteilt.

1536 versucht der Kurfürst und Erzbischof von Köln, ermutigt vom Landgrafen von Hessen, die Reformation. 1537 Eisenhütte in Vicht. 1542 verwüstet die Gegenoffensive der Königin von Ungarn im Geldrischen Erbfolgekrieg, der auf Betreiben des Landgrafen von Hessen den nördlichen Reichskreis der Reformation zuführen soll, die Region. Eschweiler und die Stolberger Burg werden niedergebrannt. 1543 muss der Herzog die Reformation im vereinigten Herzogtum Jülich-Kleve-Berg einstellen. 1547 scheitert die Reformation im Erzstift, der Erzbischof dankt ab, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. 1569 kauft die Abtei Kornelimünster den Zehnt auf Gressenich. 1580 "Scheiffen Heutte" und "Johais Werk" im heutigen Schevenhütte. 1583 Truchsessischer Krieg nachdem der Kölner Erzbischof zum Protestantismus übergetreten ist. 1585 kommen protestantische Kupferschmiede in das Vichttal. 1588 ereilt der Achtzigjährige Krieg den Gressenicher Raum mit streifenden Truppen aus den Niederlanden. 1597/98 und 1607 Pest. 1614 spanische Garnison in Aachen zur Bewahrung des Katholizismus. Wilhelm von Pfalz- Neuburg konvertiert zum Katholizismus, um Erbansprüche auf das Herzogtum Jülich durchzusetzen. 1617 Pest.

Im Dreißigjährigen Krieg 1618-48 sind alle Wohnungen in Mausbach zerstört. 1620 durchziehen 20.000 spanische Söldner unter dem Granden Ambrosio Spinola Doria die Region in Richtung der im anhaltenden Achtzigjährigen Krieg umkämpften Niederlande. 1625 schwere Missernte und Pest. 1628 geht man in der jülischen Unterherrschaft Stolberg mit Waffengewalt gegen die Einquartierung kaiserlicher Truppen vor. 1634 berauben kaiserliche Söldner die Kirche in Gressenich. 1634-1636 Pest. 1636 und 1638 in Aachen Kriegshandlungen wegen der Einquartierung kaiserlicher Truppen. 1642 verheeren streunende lothringische und weimarische Truppen die Region, 1644 liegen kaiserliche in Gressenich in Quartier. 1648 Kündigung der Pastorat in Gressenich, weil die Gemeinde den Lebensunterhalt des Pfarrers nicht aufbrächte. 1652 erneuter Einfall lothringischer Truppen. Weil deren Raubzüge erst 1655 enden, ist der Dreißigjährige Krieg im Gressenicher Raum faktisch auch erst dann beendet.

1650 Beginn des Maunder-Minimums, das bis 1700 zu häufigen Missernten führt, und in regelmäßigen Abständen von 10-15 Jahren schießen die Lebensmittelpreise hoch. Siechenhaus in Aachen für Pest-, Pocken- und Fieberkranke. 1672 einigen sich Brandenburg und Jülich im Erbfolgestreit auf die konfessionellen Zustände von 1624. 1664 Kapelle zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit in Schevenhütte (Abbruch 1891). 1665/66 Pest. 1670 letzter Auftritt der Pest im Aachener Raum. 1678/79 am Ende des Holländischen Kriegs quartieren französische Truppen im Gressenicher Raum. 1689 wird der Mausbacher Hof von französischen Truppen im letzten der auf französische Hegemonie gerichteten Reunionskriege schwer beschädigt, die Laufenburg bei Wenau zerstört. 1692 rauben jülische Untertanen auf dem Mausbacher Hof im Mai drei Pferde und im Juli 203 Schafe in Berufung auf ein gegen den jülischen Hauptmann über Brand vom Schöffengericht in Kornelimünster verhängtes Bußgeld wegen Beleidigung. 1694 wird Vicht von Lendersdorf (bei Düren) ausgepfarrt und zur eigenständigen Pfarre erhoben. Vicht zählt etwa 70 Familien. Der Pastor darf sich aus 12 Morgen Heideland versorgen. Die Stiftungsurkunde begründet die Pfarrerhebung mit der Lage Vichts "inmitten von Wäldern" und "einer schlechten und verderbten Bevölkerung", was zum einen auf den langen Weg zur Kirche in Lendersdorf abzielt, zum anderen und mehr noch die protestantische Kirche in Zweifall im Blick hat, denn die Vichter gehen ohnehin nach Gressenich zur Kirche. 1697 Barbara-Kapelle in Krewinkel. In Zenta an der Theiß (Serbien) vernichten kaiserliche Truppen unter Eugen von Savoyen das osmanische Heer und beenden damit die Türkengefahr.

Im 18. Jh. ständige Bedrohung durch Pocken, Kinder zählen erst nach überstandenen Pocken zur Familie. 1707 verzichtet Jakob Völler wegen "kundbarer Unfähigkeit" auf die Stelle als Pfarrer in Vicht. 1721 Gressenicher Eremitage bei Köttenich.

Nach 1742 geht das Herzogtum Jülich in die Kurpfalz über, Schevenhütte, Vicht, Teile von Krewinkel und von Werth werden pfälzisch. 1746 im November bis März 1747 und wieder 1748 Einquartierungen in Mausbach im Österreichischen Erbfolgekrieg. 1750 rote Ruhr (Dysenterie). 1755 am 28. Oktober gegen 16 Uhr und in der Nacht darauf Erdbeben. Das Kloster in Wenau nimmt am 1. November schweren Schaden. Am 26. Dezember von 9 Uhr bis Mitternacht starke Beben, auf die eine Welle von Erdbeben folgt. 1756 am 18. Februar Erdbeben mit einer Magnitude von ca. 6.4 auf der Richterskala, Häuser und auch Kirchen werden beschädigt. Es folgen Beben am 20. Februar, 29. März, 1. Juni, 10. und 22. Juli, 18. und 19. August, 9. September, 6. Oktober, 19. November, 25. Dezember und am 19. Januar 1757, teils "stark" und "erschröcklich". Die Menschen kampieren wochenlang in Strohhütten auf freiem Feld. Auch die Messen werden aus Furcht vor Einsturz der Kirchen im Freien abgehalten. Im Verlauf des Jahres verschärfte Strafverfolgung wegen zunehmender "Unzucht". 1760 "erschröckliches" Erdbeben am 20. Januar, derweil beziehen Franzosen anlässlich des Siebenjährigen Kriegs in Vicht Winterquartier. Durch die üblichen Repressalien und Kontributionen, hat die Bevölkerung "viel leiden, lassen und geben" müssen. 1761 rote Ruhr. 1765 Aussetzung aller über Nacht gehenden Prozessionen, weil sich dabei "gantz böse lebensarten eingeschlichen" haben sollen. 1773 hat Vicht 509 Einwohner.

1776 kurpfälzische Forstreform, die der Rettung des ausgebeuteten Waldes dienen soll, die einfachen Leute mit ihren tradierten Rechten jedoch benachteiligt und landschaftsplanerisch bereits kritisch gesehen wird. 1777 wird die Kurpfalz mit der Kur Bayern vereinigt. 1781 Ruhr-, 1783 Fieber-Epidemie.

1791 Bergbauberechtigungen auf Blei, Zink und Eisenerz in Diepenlinchen. 1792 französische Revolutionstruppen in Mausbach und Vicht. 1793 werden die revolutionären Franzosen am 1. März von kaiserlichen Truppen vertrieben, kehren am 17. September jedoch zurück. "Bey ihrer ersten Ankunft zahlten die Franzosen alle Requisitionen und Bedürfnissen reichlich", 1793 indes brachten sie die hochinflationären Assignate ("Anweisung", Papiergeld der französischen Revolution), die 1795 nur noch bei 8 % ihres ursprünglichen Nominalwertes lagen, in Umlauf. 1794 wird die Mairie (Bürgermeisterei) Gressenich mit den Ortschaften Gressenich, Mausbach, Krewinkel, Fleuth und Vicht im Kanton Eschweiler eingerichtet. Elle, Rott, Gracht und Schevenhütte gehören zur Bürgermeisterei Heistern, Werth zu Nothberg. Am 30. Oktober quartieren französische Truppen in Mausbach und zerstören den 1731 restaurierten Mausbacher Hof. 1795 werden die Heiligtümer aus Kornelimünster angeblich im Mausbacher Forsthöffgen am Schroiff vor den Revolutionstruppen versteckt. Auf Diepenlinchen wird ein Schacht bis auf 80 Meter getäuft. 1797 bilden die Franzosen das Département de la Roer. Das Rur-Departement bleibt bis 1814 die obere Verwaltungseinheit für die fünf Dörfer. 1797-99 beschließt der Raststatter Kongress die Säkularisation kirchlicher und die Mediatisierung kleinerer weltlicher Herrschaften zur Entschädigung der vormals im Linksrheinischen besitzenden deutschen Fürsten (kodifiziert 1803 im Reichsdeputationshauptschluss). 1798 wird die zivilrechtliche Eheschließung obligatorisch. Die Preußen machen dies 1815 noch rückgängig, entziehen der Kirche aber 1875 das Eheschließungsrecht endgültig. 1800 hat die Mairie Gressenich 1.853 Einwohner. 1801 führen die Franzosen die Pockenschutzimpfung ein, der sich die katholische Bevölkerung verweigert, sodass es weiterhin zu Pocken-Epidemien kommt. Frankreich annektiert im Frieden von Lunéville das Rur-Departement, die Einwohner, mithin auch die der fünf Dörfer, werden französische Staatsbürger. Im Konkordat mit dem Papst wird die strikt antiklerikale französische Politik (bereits 1795 Laizismus) aufgegeben und die katholische Kirche als Zivilstand anerkannt. 1802 führt die Kur Bayern, um den Besitz des Jülicher Gebiets gekommen, im Januar die Säkularisation durch. Im Linksrheinischen wird vom 9. Juni an säkularisiert und in den Vollzügen werden die Klöster durch die französische Regierung aufgelöst. Das Bistum Aachen wird u.a. aus den linksrheinischen Teilen des Erzbistums Köln gebildet. Johann Reisig und Heinrich Simon van Alpen, Pfarrer der beiden protestantischen Gemeinden in Stolberg, veröffentlichen ihr Gesangbuch "zur wahren Gottesverehrung" mit rund 1.300 Liedern. Johannes Arnold Salmagne, ab 1805 Pfarrer in Mausbach, entwendet dem Kloster Aldenhoven das die dortige Wallfahrt stiftende Gnadenbild. Die Heiligtümer aus dem Kloster Kornelimünster werden unterdessen 1804 an die dortige Pfarrkirche übergeben. Das Abteigebäude in Kornelimünster erwirbt 1807 der evangelische Fabrikant Jakob Friedrich Kolb und betreibt darin eine Tuchfabrik. Auch der Mausbacher Hof kommt an einen Aachener in bürgerliche Hände. Das Kloster Wenau, Tochterkloster von Floreffe, erwirbt 1805 der Messing-Fabrikant Johann Wilhelm Peltzer. 1803 wird die Errichtung einer Dampfmaschine auf Diepenlinchen in Auftrag gegeben. 1805 Pfarrerhebung Mausbachs. 1807 bekommt Vicht eine Schule und 1809 auch Gressenich, jeweils im Küsterhaus, in Vicht Gründung der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft mit dem Pfarrer als Präses. 1811 Ende des Sommers rote Ruhr. 1813 Gefecht von Franzosen mit Deutschen und Kosaken in Mausbach, Plünderungen durch die Kosaken. Napoleon soll auf dem Rückzug Mausbach passiert haben ("Napoleonsweg", 50° 46' 19.9" N, 6° 15' 42.4" O).

1815 verpflegen sich preußische, sächsische und schwedische Truppen in der Gegend aus dem Land. Die von Frankreich annektierten linksrheinischen Gebiete werden preußisch (Provinz "Großherzogtum Niederrhein", 1822 "Rheinprovinzen", 1830 "Rheinprovinz"). Die von den Franzosen eingerichteten Bürgermeistereien werden im Grunde beibehalten, Schevenhütte, Gracht, Elle und Rott gehören indes zur Bürgermeisterei Gressenich. Die Preußen bringen die allgemeine Kriegsdienstpflicht mit, begründen den Polizei- und Spitzelstaat und führen Militarismus, Nationalismus und Obrigkeitshörigkeit ein. 1816 wird am 27. April die Einrichtung des Landkreises Aachen durch die seit dem 22. April in Aachen tätige preußische Regierung bekanntgemacht. Pfarrer und Gemeindevertreter berichten: Die Schule in Mausbach bestehe aus einem Zimmer in der Küsterwohnung am Pütz oder Sief. Im Winter kämen 43, im Sommer nicht mehr als 20 Kinder zum Schulunterricht. Das monatliche Schulgeld könne von den "vielen armen" Leuten nicht aufgebracht werden. Das Jahr 1816 wird infolge des Tambora-Ausbruchs 1815 auf Sumbawa / Indonesien als dunkles, stürmisches und nasses "Jahr ohne Sommer" erinnert, Getreide aus Schweden, 1817 Hungerjahr, es folgen Teuerungen. Um 1820 Niedergang des Hüttenwesens in Vicht. 1821 Auflösung des mit dem "Makel" der französischen Revolution belasteten Bistums Aachen und Wiedererrichtung des Erzbistums Köln. Die preußische Gemeinheitsteilungsordnung erzwingt die Überführung letzter noch gemeinschaftlich genutzter Flächen (Allmende) in Privateigentum zur Durchsetzung der Industrialisierung, und die "alte Zeit" hört endgültig auf. 1823 Pocken. 1825 Schulpflicht im Rheinland, in der Bürgermeisterei Gressenich ab 1833 vollzogen. 1826 Rehabilitierung des von den Franzosen abgeschafften Adels im Rheinland. 1829 Pocken. 1830 kürzt der Aachener Fabrikant Nellessen willkürlich die Löhne, die seit den Maschinenstürmen von 1821 in Eupen gärenden Arbeiter-Proteste entladen sich in den schweren, vom besitzenden Bürgertum als "Pöbelexzesse" diskriminierten sozialen Unruhen. 1831 Lebensmittelknappheit, Schule an der Schevenhütter Straße, die Dechant-Brock-Straße ist ein schmaler Fußweg beidseitig des Bachbetts mit Wasser und Morast. 1832 Cholera in Aachen und Burtscheid, Panik im Umland. 1833 höchstes Vicht-Hochwasser seit 1775. 1834 Wechselfieber und Malaria. 1836 Feuerwehr für Gressenich in Mausbach. 1837 Pocken. 1838 erste Schule in Mausbach. 1840 Gründung des Stolberger "Sicherungsvereins" zur Bewahrung bürgerlichen Eigentums in Reaktion auf den von der Industrialisierung hervorgerufenen Pauperismus. 1841 Malaria. 1842 Ruhr, Missernte. 1843 Cholera. 1845 Auflösung der Bürgermeisterei Gressenich in drei Spezialgemeinden: Schevenhütte-Vicht, Gressenich-Mausbach sowie Werth-Bernhardshammer. 1847 Hungerjahr mit Teuerung und Pocken. Mit dem Grubenbetrieb der Stolberger Zink AG setzt die industrielle Förderung in Diepenlinchen ein. 1848 Cholera. Bedrohung der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft im Raum Aachen – Stolberg – Eupen durch Unterschichtenproteste. Im März wird auf der Stolberger Burg Schwarz-Rot-Gold geflaggt, der Stadtrat bittet daraufhin den König, den Forderungen aus dem Volk nachzukommen. Unterdessen wird der 1840 gegründete "Sicherungsverein" aufgerüstet. 1849 besorgt erstmals ein Landbriefträger aus Stolberg alle drei Tage die Post in der Bürgermeisterei Gressenich. 1850 werden die Spezialgemeinden von 1845 in der Gemeinde Gressenich zusammengeführt, die solcherweise bis zum 1. Januar 1972 besteht. Die Einwohnerzahl beträgt 3.473. Die Gruben auf Galmei-, Blei- und Eisenerze bei Mausbach und Werth beschäftigen rund 500 Arbeiter, am Mausbacher Hof werden Wohnungen für Arbeiter in den Fabriken des Vichttals errichtet. Im Ort Gressenich nährt man sich mehr durch Ackerbau, Viehzucht, Bergbau, Waldarbeit und Besenbinderei, in Schevenhütte ist der letzte Reitmeister tätig, im Übrigen nimmt die Zahl der Tagelöhner zu. Im Zeitgeist der Passionsfrömmigkeit entsteht der Kalvarienberg im Römerfeld in Gressenich. 1854 Ruhr oder Typhus auf Diepenlinchen. 1855 Cholera. Die Bürgermeisterei Gressenich erhebt Einzugsgeld, um die Zunahme der ohnehin weitgehend armen Bevölkerung und damit Transferleistungen zu deckeln. 1858-1860 Bau der Chaussee von Vicht über Mausbach und Gressenich nach Schevenhütte, in Mausbach und Gressenich Mautstellen ("Barrieren") bis etwa 1914. 1864 Eröffnung einer 3. Schulklasse für Mädchen in Mausbach (Klosterschwester Therese Kleinen). 1865 Errichtung eines Pfarrhauses in Gressenich an der heutigen Römerstraße anstelle der bisherigen Pfarrerswohnung im Gehöft Minderjahn. 1865 Pocken. 1866 Cholera und Pocken. 1867 Pocken. Aufhebung des Einzugsgeld durch das "Gesetz über die Freizügigkeit" (Norddt. Bund). Gründung des Mäßigkeitsvereins in Vicht.

1871 wird der katholischen Kirche die Schulinspektion entzogen. 1872 Pocken. Verbot des Mainzer Vereins in Gressenich im Zuge der Eskalation des Kulturkampfs zwischen Staat und katholischer Kirche. 1873 wird der Kirchhof unter die Gemeindeverwaltung gestellt. 1877 erstes Schützenkönigfest in Mausbach. Bis 1887 (Beilegung des Kulturkampfs) kommt es zu zahlreichen Vereinsgründungen auf Betreiben der Kirche und zu reger Bautätigkeit, um kirchliches Liquid-Vermögen dem Zugriff des Staates zu entziehen. 1888 Grundsteinlegung zur St.-Josef-Kirche im Pfarrgarten in Schevenhütte, die alte Pfarrkirche von 1664 (quer vor dem Portal der heutigen) wird 1891 abgebrochen. 1892/93 Pocken. 1898 Straßenbahn von Stolberg über Hammer nach Vicht. 1900 5.116 Einwohner. Im Zuge des seit den 1890er-Jahren vordrängenden Körperkults als auch nach der Demilitarisierung infolge des verlorenen Weltkriegs von 1914/18 Gründung zahlreicher Sportvereine. 1909 Kleinbahn von Hamich über Gressenich und Mausbach nach Vicht. 1912 Anschluss an die Wasserversorgung des Landkreises Aachen, Wasserturm in Mausbach. Bei den Reichstagswahlen überdeutliche Mehrheit in Gressenich für die katholische Zentrumspartei. 1913 Rosenmontagszug in Vicht.

1914-1918 Deutschland überfällt 1914 Belgien, löst damit den Ersten Weltkrieg aus und verliert denselben. Die Versorgungslage verschlechtert sich schnell, ab 1914 Geldentwertung bis zur Hyperinflation 1923. In der Gemeinde Gressenich verstärkte Nachtwachen gegen Einbruch, russische Kriegsgefangene auf Diepenlinchen. 1918 im Oktober und November "Spanische Grippe". Am 9. November wird in Berlin die Republik ausgerufen, Marinesoldaten aus Aachen entwaffnen Polizei und Landsturm in Stolberg. Die Revolution kann im Rheinland schon infolge der Besatzung ab Dezember 1918 durch die alliierten Mächte des Weltkriegs nicht gelingen.

1919 britische Einquartierung in der Gemeinde Gressenich. Unter den mehr als 100 Streiks im Aachener Revier im März Streik auf der Grube Diepenlinchen. Die Stolberger Zink AG schließt die Grube insbesondere im Hinblick auf ihre weiteren Gruben und die reichsweiten sozialen Unruhen, um die Arbeiterschaft zu disziplinieren. Bei den Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung in Weimar (Frauenwahlrecht seit 1918) wählen in der Gemeinde Gressenich rund 80 % die katholische Zentrumspartei. 1920 Gründung des Mausbacher Trommler- und Pfeifercorps, Gründung der anarcho-syndikalistischen Bezirksarbeiterbörse für den Kreis Aachen, um Arbeit selbst zu verwalten. 1921 Anarcho-Syndikalisten in Stolberg, 1922 mit Ortsgruppen in Mausbach und Gressenich. 1922 Hungerunruhen, wem das Geld für Hamsterfahrt und Korruption fehlt, geht im Herbst auf die Felder, die Polizei geht gegen "Plünderer" vor. 1923 im August bei Massenarbeitslosigkeit und auf dem Höhepunkt der Inflation mit Notgeld und anhaltender Lebensmittelnot schwere Unruhen im gesamten Regierungsbezirk Aachen: ein Aachener Lebensmittelhändler verdirbt seine Waren mit Säure, damit er sie nicht unter Preis an Arbeiter verkaufen müsste; vorbereitete Polizei schießt und säbelt am 13. August ("Blutsonntag") auf protestierende Arbeiter, in Aachen und Alsdorf Tote, hunderte Verwundete; in Stolberg mit rund 17.000 Einwohnern stürmen etwa 2.300 Menschen das Haus des Industrieverbands; die Aachener Justiz verurteilt Arbeiter wegen Landfriedensbruch. Im Oktober werben Separatisten für die Rheinische Republik, versuchen die Rathäuser zu stürmen und scheitern an der nationalen Gesinnung von Verwaltung und Bevölkerung. Gleichzeitig geht der bis dahin große Einfluss der Anarcho-Syndikalisten in der Arbeiterschaft drastisch zurück. 1925 Sprengung der Grubenanlage in Diepenlinchen. Die Landkreise im linksrheinischen Besatzungsgebiet richten die "Rheinische Jahrtausendfeier" aus, Demonstrationen nationaler Gesinnung und Rückbesinnung auf die Kaiserzeit, die propagandistisch an den Fall Niederlothringens an das Ostfränkische Reich 925 anknüpfen. Die außerordentlich gut besuchte Zentralfeier des Landkreises Aachen findet in Eschweiler statt. 1929 Abzug der zuletzt belgischen Besatzung im Rheinland. Am 8. Dezember zentrale Befreiungsfeier des Landkreises Aachen auf dem Stolberger Kaiserplatz.

1930 organisieren sich erstmals die Nazis als "Ortsgruppe (Gressenich in) Mausbach". Neuerrichtung des Bistums Aachen. 1932 fällt der "Hastenrather Zipfel" (u.a. Halde Weißenberg, Diepenlinchen und Burgholz) an die Gemeinde Gressenich. 1933 am 5. März letzte freie Reichstagswahl, im Landkreis Aachen liegt die katholische Zentrumspartei vor den Nazis, dicht gefolgt von den Kommunisten, abgeschlagen die SPD. Am 12. März letzte Kommunalwahlen bis 1946, Ergebnis in der Gemeinde Gressenich: Wahlbeteiligung 63.5 %, Zentrum 39.9 %, Nazis 25.9 %, SPD 19.9 %, Kommunisten 5.4 %. Am 1. April (überliefert als Geburtstag des Judas) beginnt mit dem Boykott-Aufruf gegen jüdische Händler die Judenverfolgung im Landkreis Aachen, Gressenicher SA-Männer blockieren sporadisch auch weiterhin das einzige jüdische Geschäft in Gressenich bis zu dessen "Arisierung" 1938. Bei der Reichstagswahl im November werden 83 % der abgegebenen Stimmen für die Einheitsliste der Nazis vermeldet. 1934 stimmen in der Gemeinde rund 75 % Hitlers Ämterhäufung zu, Siedlungsbau der "Deutschen Arbeitsfront" (DAF), Straßenbau. 1935 Gründung der Karnevalsgesellschaft Löstije Wolleklös in Mausbach, um einen "geordneten Karneval" einzuführen. Die Nazis nutzen den Karneval, führen Prinzenproklamation und Eintopfessen ein. 1936 Remilitarisierung des Rheinlands. 1937 zeigt der Bischof von Münster, Clemens von Galen, in Kornelimünster die Heiligtümer. Vicht begeht eine 600-Jahrfeier und es wird das von einem örtlichen Heimatdichter verfasste Freilichtspiel "Stimme des Blutes" als eine Revue der angeblichen Ortsgeschichte aufgeführt, die Zuschauermenge entbietet geschlossen den "Deutschen Gruß". 1938 wird Gressenich in den Westwall einbezogen, an der Derichsberger Straße in Mausbach ein Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) errichtet und an der Fischbachstraße in Vicht eines für Zwangsarbeiter. "Arisierung" jüdischen Vermögens. Die Gemeinde hat 6.854 Einwohner. 1939 in Vicht Aufführung des Freilichtspiels "Der Ahnenruf" von einem örtlichen Heimatdichter. Die Nazi-Presse berichtet, dass 2.000 Zuschauer dieser "Verherrlichung der Heimat" und dem "heiligen Kampf" der "Rur-Germanen" "gegen alles Artfremde" beigewohnt haben. Ausrichter sind DAF und NSDAP am Ort. Kurz darauf überfällt Deutschland Polen und beginnt den Zweiten Weltkrieg, im Westen als Krieg, im Osten als Vernichtung. 1939-1941 wird das Westwall-Arbeitslager in Vicht als Polizeihaftlager genutzt. Die durchschnittlich 50 bis 80 Gefangenen werden von Polizei und SS "Zöglinge" genannt und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Als das Lager im Sommer 1941 aufgelöst wird, verlangt Bürgermeister Regh als Ersatz ein Arbeitserziehungslager mit Zwangsarbeitern. 1941 Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen in der Gemeinde Gressenich. 1942 wird das RAD/SA-Lager in Mausbach Übergangslager für die Deportation. 434 Juden, überwiegend aus Kölner Altenheimen, werden unter Polizeibewachung aus Mausbach vor den Augen der Einwohner durch das Dorf geführt. 340 dieser Menschen werden über den Stolberger Hauptbahnhof ins KZ Theresienstadt deportiert, andere kommen nach Bardenberg. Anschließend werden jüdische Familien aus Flandern, voran 400 Kinder, nach Mausbach überführt. Letzte Juden aus Gressenich werden deportiert. 1944 im September liegt die Gemeinde in der Kampflinie im Zweiten Weltkrieg, die Bevölkerung wird evakuiert. Deutsche Truppen errichten am 15. einen Sperrriegel, der den Krieg auf Gemeindegebiet um zwei Monate verlängert. Im Oktober sprengen sie die Mausbacher Kirche, in der Nacht zum 17. November geben sie die völlig zerstörte Ortschaft Gressenich auf. Östlich von Schevenhütte wird noch bis in den Dezember hinein gekämpft.

1945 liegen die 5 Dörfer mit 4.774 Einwohnern in der britischen Besatzungszone. Dort findet die Entnazifizierung in nur sehr begrenztem Umfang statt. Auch weil Millionen Nazis sind, wird vor der Masse resigniert. Mittlere und leichte Fälle werden Deutschen übertragen, wie dem Entnazifizierungsausschuss in Gressenich, wo Ausschussmitglieder ihre Mandate niederlegen. Wer dennoch belangt wird, hat beste Chancen bei der "Krähenjustiz", die tief in den Nazismus verstrickte, weiterhin tätige Rechtspflege. 1946 ist die belgische Armee in Vicht und nimmt im Rahmen der Reparation Rodungen im Gressenicher Wald vor, die sich auf rund 22 % des Bestands erstrecken. Bei der Kreistagswahl im Oktober erzielt die CDU 59.59 % der Wählerstimmen im Landkreis Aachen.

1952 sitzt Ex-Bürgermeister Regh, verstrickt in Judenverfolgung und Zwangsarbeit, im Kreistag und wird als der "gute Nazi", der "Schlimmeres verhütet" habe, dargestellt. 1954/58 Stilllegung der Straßenbahn von Eschweiler über Gressenich und Mausbach nach Vicht.

1965 wird als "Gressenicher Krankheit" bekannt, dass auf Weiden in Gressenich, Mausbach und Werth Rinder an Bleivergiftung sterben. Der Bleiniederschlag liegt Anfang der 1970er- Jahre rund 10fach über dem industrieller Ballungsgebiete. Die "Stolberger Bleikinder" haben ganz erheblich hohe Blut-Bleiwerte. 1966 führt das Dezember-Hochwasser der Vicht, begründet durch Gewässerwirtschaft, zu schweren Schäden.

1968 leben 9.294 Menschen in der Gemeinde. Infolge des Weltkriegs und des Kalten Kriegs seit 1946/47 ist ein signifikanter Zuzug von Menschen evangelischen Bekenntnisses erfolgt, nicht ohne Missbilligung in Gressenich und Mausbach. 1969 schließt die Schule in Vicht.

Am 1. Januar 1972 geht die Gemeinde Gressenich mit rund 9.500 Einwohnern im Zuge der kommunalen Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen in der Stadt Stolberg auf.

Gressenicher Ortswappen

Gressenicher Ortswappen von Wolfgang Pagenstecher

Gressenicher Gemeindewappen 1939 bis 1971

In goldenem Feld ein schwarzer, rot gezungter, schwarz bewehrter, rechtsgekehrt schreitender Löwe, an den Schultern beladen mit gegurtetem Schild, darauf in silbernem Feld schwarz tingiert gekreuzt Schlägel und Eisen, in den Vorderpranken gepackt ein rotes, aufwärts gekehrtes Horn.

Das Gressenicher Gemeindewappen wurde 1939 genehmigt. Entworfen hatte es der Düsseldorfer Heraldiker Wolfgang Pagenstecher (* 1880, † 1953). Das von dem Gressenicher Lehrer Reinhard Geis (* 1936) gefertigte Glasmosaik mit diesem Wappen ist seit Ende der 1960er-Jahre an der Fassade des früheren Bürgermeisteramts, Gressenicher Straße in Mausbach, eingelassen.

Die Tinkturen Schwarz/Gold und der Löwe sind die Farben und die Schildfigur der Jülicher Grafen. Sie zeigen die historische Verbundenheit mit Jülich an. Das Horn soll wohl die Reichsabtei Kornelimünster symbolisieren. Schlägel und Eisen deuten den im Gressenicher Raum tradierten Bergbau an.

Tatsächlich ist das (Büffel-) Horn ein Attribut des hl. Kornelius. Unterdessen führte die Reichsabtei ein Wappen mit zwei schräggekreuzten goldenen Abtstäben auf rotem Feld, das schon 1506 im Gressenicher Schöffensiegel figürlich dargestellt wurde. Insofern und angesichts anderer Vorschläge ist für den Entwurf von 1939 anzunehmen, dass dieser im Ungeist des Nazismus entstanden ist und mit dem Verzicht auf das kirchliche Insigne als auch im Proporz der Zeichen die Bedeutung der Kirche in der Ortsgeschichte zu unterdrücken und mehr noch die Kirche in den Pranken des mit der "Arbeit" bewehrten Staats darzustellen suchte. Dabei wird die Kirche auf den Aberglauben reduziert. Denn es war Kult, das Korneliushorn am Korneliustag (16., vormals 14. September) im Münsterländchen herumzuführen und dies war verbunden mit dem Aberglauben, wer daraus (gegen Geld) tränke, sei gefeit gegen Epilepsie.

Für diese Interpretation spricht fernerhin, dass Pagenstecher ab 1933 in enger Abstimmung mit Vertretern der Nazi-Partei, die die "Heimatgeschichte" in den Dienst ihrer Ideologie stellten, gearbeitet hat, zumal die Behörde des Reichsstatthalters, in diesem Falle Hermann Göring, die Führung von Gemeindewappen kontrollierte.

[Die Verwendung des Wappens im Signet des Arbeitskreises Geschichte Mausbach wird innerhalb des Vereins nicht unkritisch gesehen.]